Es ist Mitternacht. Gerade eben bin ich durch eine wunderbar warme Herbstnacht nach Hause geradelt. Die Windjacke. Schon fast zu viel Körperbedeckung für solch laue Temperatürchen, das bloße T-Shirt hätte wahrscheinlich den Dienst des Körperwärmebewahrers hinreichend erledigt. Man merke: Weniger ist manchmal mehr.
Es ist Mitternacht. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass ich zu solch später Stunde noch am Schreibtisch sitze. Wer meinen Studentenblog fleißig mitverfolgt hat, wird es wohl eher als etwas Ungewöhnliches betrachten, dass ich mal wieder blog schreibe. Nun ist aber die Bezeichnung "gewöhnlich" ungewöhnlich unbezeichnend für meine hiesigen Gewohnheiten geworden. Ich meine, gewöhnlich ist normal. Normal sein ist langweilig. Und langweilig ist tatsächlich ungemein unbezeichnend für alles, was hier passiert.
Genug der Wortverdrehereien. Weniger Geplapper bringt manchmal mehr.
Ich bin Student, 21 Jahre alt und habe ozeanblaue Augen. Das mag vielen vielleicht noch nicht besonders ungewöhnlich vorkommen. Und – ähhm – das ist es auch nicht.
Seit September 2008 besuche ich die Angell Akademie, eine private Fachhochschule, eingeschlossen in den Angell Bildungsverband. Ich studiere Tourismus. In ungefähr drei Jahren könnte ich einen Bachelor of Arts als Touristikassistent und Eventorganiser oder Hotelmanager erarbeitet haben. Aber das ist noch lange hin. Es tangiert mich nur peripher. Nicht weniger. Und auch nicht mehr.
Die ersten Wochen liefen schulisch gesehen allererste Sahne. 4 Vokabeltests galt es zu bestehen, einen englischen Geschäftsbrief zu verfassen sowie in einer computerbasierten Textabschrift eine Anschlagsgeschwindigkeit von 80 Anschlägen pro Minute bei völliger Fehlerfreiheit zu erreichen. So weit, so gut. Die Ergebnisse können sich sehen lassen, ich bin ziemlich zufrieden.
Aber es geht hier nicht um Noten. Denn wie meine (im Nachhinein geliebte) Lateinlehrerin der 7. Klasse bereits zu verkünden wusste:
Non scolae, sed vitae discimus. (Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben.) Und so gesehen lerne ich gerade ganz schön fleißig. Immer schön her mit mehr.
Seit dem 1. September lebe ich in meiner ersten, "eigenen" Unterkunft. Kein sorgenfreies Hostelleben mehr wie noch vor gerade mal einem Jahr, keine grenzenlose Freiheit... aber dennoch würde ich im Moment nicht tauschen wollen! Keine Mär mehr. Temporär.
Die "eigene" Unterkunft ist ein zwischengemietetes Zimmer in einer 3 Personen umfassenden Wohngemeinschaft. Die Wohnung ist unglaublich geräumig, das Badezimmer ist mit Badewanne ausgestattet, die Küche groß genug für größere Köcheleien, und Wohn- und Esszimmer zusammen bieten einen Gemeinschaftsraum, der locker 20 Gäste aufnehmen kann. In 6 Minuten erreiche ich mit dem Fahrrad die Akademie, 100m sind es bis zum E-Center, 300m bis zum Fußballplatz. Die Wohnung ist der absolute Kracher! Nur mit Meer wär’s noch mehr.
Anne Toillie und Arkadi Schelling heißen meine lieben Mitbewohner. Anne hat Angst vor Gewittern. Arkadi hat Schuhgröße 49,5. Mein Zimmer hat 20qm. Wer mehr wissen will, ist herzlich eingeladen, die Situation persönlich in Augenschein zu nehmen. Für Verpflegung wird bei vorheriger Anmeldung gesorgt. Bei Begehr nach Verzehr kommet her.
Ich habe einen Job. Bei Pizzaboxx in Haslach. Pizzataxi. Kleiner Nebenverdienst.
Ich habe einen Fußballverein. PSV Freiburg. Stammplatz in der 2. Mannschaft, Kreisliga B.
Und ich habe zahlreiche nette Menschen um mich herum. Meine Mitbewohner, Kommillitonen, Fußball- und Arbeitskollegen. Plus natürlich die beste Familie der Welt.
Über all diese Punkte werde ich bei Gelegenheit noch ausführlicher berichten. Später gibt’s mehr.
Es gibt Menschen, die sind in meinem Alter steinreich. Manche spielen Fußball in professionellen Kreisen. Sie sind weltbekannt. Doch beglücken Karrier und Ehr’ den Betroff’nen wirklich sehr?
Ich bin glücklich, so, wie es ist. Das mag vielleicht ungewöhnlich klingen. Aber wie wir zu Beginn bereits festgestellt haben: Weniger ist manchmal mehr.
(Aber gegen ein bisschen mehr Schlaf hätte ich auch nichts einzuweden... ;-) )
Alles Liebe aus Baden's heimlicher Hauptstadt!
Es grüßt, der Chris
P.S.: Wer die Zeit hat, lese den Text bitte noch einmal halblaut durch. Wörtern, die auf "-er" bzw. "-ehr" enden, fällt (im stilistischen Sinne) besondere Bedeutung zu. Das "e" ist deshalb stets übertrieben zu betonen.
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1 comment:
HALLOOO? *lol*
Das ist der absolute Hammer - Wortspiel. Also ein hammer in Wortspielen. HAbe also einen Poet als Bruder, vielleicht auch 2?
Pizzataxi... Duerfte ich sie mal an die Bheke titten?
Aeh, ups...
Stay strong, SISTA (is watsching yuuu)
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